Mittelmeerkrankheiten & Giardien

Leider sind die Mittelmeertests nicht 100% zuverlässig, daher können wir – wie auch andere Tierschutzorganisationen – keine hundertprozentige Sicherheit geben, ob ein Hund nicht an einer Mittelmeerkrankheit erkrankt sein könnte. Ein Titer (Konzentration von Antikörpern) ist erst dann im Blut nachweisbar ist, wenn ein Hund bereits erkrankt ist. Dies hängt auch von der Inkubationszeit der jeweiligen Krankheit ab. Hat sich der Hund erst kürzlich infiziert (z.B. durch einen Zeckenbiss oder durch den Stich einer Mücke), ist zunächst keine Titerreaktion nachweisbar. Insbesondere bei Welpen und Junghunden ist der Test sehr unsicher, da sie einen Titer aufweisen können, den sie von ihrer Mutter über die Plazenta aufgenommen haben, ohne jedoch zu erkranken. Generell gilt, dass ein infizierter Hund nicht gleich ein erkrankter Hund ist. Viele Hunde tragen Erreger in sich, zeigen jedoch niemals Krankheitssymptome. Wir empfehlen ca. 10 Monate nach der Adoption eines Hundes aus dem Ausland, einen weiteren Bluttest auf Mittelmeerkrankheiten bei Ihrem Tierarzt in Deutschland durchführen zu lassen. Es ist wichtig, eine eventuelle Krankheit rechtzeitig zu erkennen, um sie erfolgreich behandeln zu können.

Nach der Übergabe Ihres Hundes empfehlen wir außerdem, Ihren Hund aufmerksam zu beobachten und Anzeichen auf mögliche Erkrankungen ernst zu nehmen und bei einem ersten Verdacht umgehend Ihren Tierarzt aufzusuchen. Erste Anzeichen können z.B. sein:

  • Abgeschlagenheit, Schwäche, blasse bis gelbliche Schleimhäute, geschwollene Lymphknoten, Hautausschläge, Abmagerung
  • Ziehen Sie auch bei Veränderungen nach längerer Zeit eine Infektion auf eine Mittelmeer­erkrankung noch in Betracht

Leishmaniose

Die Leishmaniose-Erkrankung wird durch den Stich der weiblichen Sandmücke übertragen. Bei dem Erreger handelt es sich um einen einzelligen Parasiten. Die Inkubationszeit ist bei jedem Hund sehr unterschiedlich, die von einem Monat bis über 7(!) Jahre andauern kann, bevor sie zum Ausbruch kommt. Die Symptome reichen von Hautausschlägen, wie z.B. Haarausfall, Hautschuppung, Fellverlust um die Ohrenspitzen, Nasenrücken und den Augenbereich (umgangssprachlich: „Brillenbildung“), Nasenbluten, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, übermäßig starker Krallenwuchs, Durchfall, Blutarmut bis hin zum Organversagen. Je früher die Leishmaniose erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Therapiechancen. Leishmaniose ist jedoch nicht heilbar! Die Behandlung zielt auf Minderung bzw. Beseitigung der klinischen Symptome und Stärkung & Stabilisierung des angegriffenen Immunsystems. Auch Leishmaniose-positive Hunde können mit entsprechender Behandlung sowie unter guten, gesunden Lebensumständen ein normales Lebensalter erreichen.

Die Diagnose erfolgt über eine Titerbestimmung im Blut. Bei der Titerbestimmung ist zu beachten, dass es einige Wochen dauert bis der Körper Antikörper bildet. Daher besteht leider in Einzelfällen die Möglichkeit, dass der Hund bei Übernahme die Krankheit in sich trägt aber noch nicht zum Ausbruch gekommen ist. Wir empfehlen deshalb ca. 10 Monate nach der Adoption eines Hundes einen weiteren Bluttest in Deutschland durchführen zu lassen. Als Therapie wird in der Regel das preiswerte und nebenwirkungsarme Medikament Allopurinol aus der Humanmedizin, dessen Wirkung meist schon nach kurzer Behandlung anschlägt, eingesetzt. Die Kosten für die Medikamenten-Behandlung belaufen sich – je nach Größe des Hundes – auf ca. € 10 – € 15,- im Monat. Unseren Adoptanten die von vornherein bereit sind, einen positiv getesteten Hund zu adoptieren, raten wir, sich vorab im Internet umfassend zu informieren. Das Leishmaniose-Forum können wir Ihnen hierzu empfehlen: www.leishmaniose-forum.com. Gerne stellen wir auch einen Kontakt zu Hundebesitzern her, die einen an Leishmaniose erkrankten Hund haben.

Babesiose

Die Babesiose wird durch verschiedene Zeckenarten übertragen. Das Krankheitsbild ähnelt einer menschlichen Malaria, weshalb die Babesiose auch Hunde-Malaria genannt wird. Die kurze Inkubationszeit beträgt 5 bis 7 Tage, selten kann sie bis zu drei Wochen nach dem Zeckenstich dauern. Die Erkrankung äußert sich in einer bestimmten Form der Blutarmut, die mit hohem Fieber (bis 42 Grad), Lethargie, Schwäche, blasse bis gelbliche Schleimhäute, häufig Gelbsucht, blutige Durchfälle sowie Blut im Urin verbunden ist. Besonders in dieser akuten Phase führt die Babesiose durch Kollaps und multiples Organversagen ohne Behandlung binnen weniger Tage zum Tod des Tieres, deshalb sollte beim geringsten Verdacht unverzüglich eine Therapie eingeleitet werden. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, in akuten Fällen ist bei einem Hämatokrit unter 20 eine Bluttransfusion angezeigt.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose-Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst, die mit dem Zeckenstich der braunen Hundezecke übertragen wird. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 8 und 20 Tagen, der Krankheitsverlauf ist ggf. auch schleichend und kann unbehandelt über Jahre hinweg zu einer lebensgefährlichen chronischen Ehrlichiose und zur irreversiblen Zerstörung des Knochenmarks führen. Symptome sind vor allem bei Hunden mit schwachem Immunsystem und bei Welpen stark ausgeprägt. Diese zeigen sich durch sporadisches Fieber, schleimiger Nasenausfluss, Erbrechen, Atemnot, Schwellung der Lymphknoten, Gewichtsverlust, Blutungen und schwere Augenerkrankungen. Ehrlichiose ist durch eine frühzeitige Diagnose behandelbar. Sie kann mit einem Bluttest oder einer Gewebeprobe im Labor diagnostiziert werden. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika wie Doxycyclin, Tetracyclin und Oxytetracyclin über einen Zeitraum von ca. 2-3 Wochen.

Dirofilariose (Herzwurmerkrankung)

Herzwurmerkrankungen werden durch den Fadenwurm Dirofilaria immitis verursacht und durch Mosquitos übertragen. Die mikroskopisch kleinen Larven des Herzwurms gelangen durch die Stichwunde des Blutsaugers in die Haut und wandern von dort durch den Körper bis in die großen Blutgefäße. Erste Krankheitssymptome sind nach 6 Monate nach Befall zu beobachten, in manchen Fällen erst nach Jahren. Diese sind allgemeine Leistungsverminderung, Husten, Atemprobleme, Kreislaufprobleme und Gewichtsverlust. Bei starkem Befall kommt es auch zum Tode des Hundes. Die Therapie ist kompliziert, da die Mittel gegen Dirofilariose mehr oder weniger toxisch sind.

Weitere Infos finden Sie hier:
http://www.laboklin.de/pages/html/de/leistungsspektrum/serologie/main_serologie.html

Würmer & Co. (Giardien)

Würmer sind leider nicht die einzigen Mitbewohner, die den Verdauungstrakt eines Hundes befallen können. Auch einzellige Darmparasiten im Dünndarm, sog. Giardien können einen Hund befallen und akuten oder chronischen Durchfall mit teilweise gelblichen, schleimigen Kot, gelegentlich evtl. auch mit Blut vermischt, verursachen. Die häufigste Übertragung erfolgt über verunreinigtes Trinkwasser und über den Kot von anderen infizierten Hunden. Gerade in ausländischen Tierheimen, wo Hunde im Zwinger oftmals auf engstem Raum unter widrigen Umständen gehalten werden, steigt das Ansteckungsrisiko erheblich.
Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen des Verdauungssystems machen Hunde die sich mit Giardien infiziert haben häufig einen vitalen Eindruck. Da zwischendurch der Kot bei befallenen Tieren sogar kurzzeitig auch mal wieder völlig normal sein kann, wiegt man sich als Halter schnell in trügerischer Sicherheit, dass alles wieder in Ordnung ist. Auch der Appetit ist oftmals normal. Infolge der Giardiose nehmen die Hunde jedoch häufig trotz normaler oder sogar gesteigerter Futteraufnahme noch ab. Giardien sind für andere im Haushalt lebende Tiere (Hunde und Katzen) sehr ansteckend und es besteht – wie bei fast allen Endoparasiten des Hundes – die Gefahr der Übertragung auch auf den Menschen. Deshalb sollte beim geringsten Verdacht unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Da die normalen Entwurmungspräparate nicht ausreichen um Giardien zu bekämpfen, ist es wichtig, dass solch ein Befall erkannt und mit entsprechenden Mitteln behandelt wird. Festgestellt werden können Giardien nur über Kotuntersuchungen. Dabei ist es wichtig, über mehrere Tage Kotproben zu sammeln. Bitte lassen Sie keinen Schnelltest durchführen, da dieser meist nicht ganz zuverlässig ist. Mittel der Wahl bei positivem Befall ist die Therapie mit Fenbendazol in einer Dosierung von 50 mg/kg Körpergewicht an 3- 5 aufeinander folgenden Tagen. Eine Wiederholungsbehandlung wird empfohlen. Gelegentlich werden von Tierärzten Wurmmittel empfohlen, die nach unseren Erfahrungen bei Giardien jedoch nicht geeignet sind. Wir empfehlen das Präparat Panacur®, welches den Wirkstoff Fenbendazol enthält und in der Regel die Giardien binnen kurzer Zeit zuverlässig abtötet.